Aktuelle Projekte für die Menschenwürde

Menschenrechtskurier vom Dezember 2020

Ausgabe 12 unseres Menschenrechtskuriers können Sie hier im PDF-Format herunterladen und lesen:

Menschenrechtskurier Nr. 12


Pogromgedenken am 9. November 2020

Am Abend des 9. November 2020 fand vor der Ansbacher Synagoge in der Rosenbadstraße eine Gedenkstunde anlässlich des 82. Jahrestages der Novemberpogrome statt. Im Rahmen der alljährlichen Veranstaltung, die diesmal aufgrund der Corona-Pandemie als Freiluftveranstaltung und in kleinerem Umfang stattfand, hielt Ulrich Rach, Sprecher der Regionalgruppe Ansbach in der Bürgerbewegung für Menschenwürde, die Hauptrede. Sie können diese hier nochmals nachlesen:

Download Rede Ulrich Rach am 09.11.2020


Erfolgreiche Monate trotz Corona

Bericht des Sprechers der Regionalgruppe Ansbach, Ulrich Rach, für die Mitgliederversammlung 2020 der Bürgerbewegung für Menschenwürde in Nürnberg

Die Regionalgruppe Ansbach blickt trotz Corona und der dadurch bedingten Absage von einigen wichtigen, lange vorbereiteten Veranstaltungen auf insgesamt erfolgreiche eineinhalb Jahre zurück. Wir freuen uns vor allem, dass es uns gelang, mit unserem Angebot von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, aber auch mit Aktionen viele Bürger zu erreichen, anzusprechen, sie als Gäste, Unterstützer und Partner, in Einzelfällen sogar als neue Mitglieder zu gewinnen. Und dass wir ihnen unsere Themen, Anliegen und Ziele im Bereich Menschenwürde, Demokratie, Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und Engagement gegen den Antisemitismus nahebringen konnten.

Alles in allem zählten wir bei unseren insgesamt 14 Veranstaltungen in den vergangenen 18 Monaten in Ansbach mehr als 2000 Besucher: bei zwei großen Kundgebungen nach den schrecklichen Ereignissen von Halle und Hanau allein jeweils etwa 500, beim diesjährigen Holocaustgedenken 250 und bei der Vortragsveranstaltung mit unserem bisherigen Vorsitzenden, Herrn Dr. Maly, etwa 200. Gut besucht waren auch unsere weiteren Vortragsveranstaltungen. Und dann hatten wir noch ein Publikum, das uns besonders am Herzen liegt: die Zuhörer/innen und Diskutanten/innen bei unseren Vorträgen und Gesprächsrunden in Schulen Westmittelfrankens nämlich.

Dass wir hierorts als überparteiliche Kraft ein anerkannter und gefragter Teil des politischen Lebens sind, verdeutlichen viele Reaktionen, auf das, was wir tun, viele Anfragen und Einladungen, die wir erhalten und manche Ergebnisse unser Bemühungen. So beschloss der Stadtrat von Ansbach kürzlich auf unsere Initiative hin - der örtliche Jugendrat schloss sich unserem Anliegen an -, aktuell Flüchtlinge aus griechischen Lagern aufzunehmen. Als Geste der Anerkennung für die Arbeit unserer Regionalgruppe verstehe ich auch die aktuelle Einladung von Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner an mich, in meiner Eigenschaft als Sprecher der Bürgerbewegung für Menschenwürde, die diesjährige Gedenkrede bei der Pogromnacht-Gedenkfeier am 9. November zu halten.

Der Erfolg, den wir mit der Herausgabe eines Buchs über Widerstand und widerständiges Verhalten während der NS-Zeit in Ansbach "Einzelne wagten es doch" im April dieses Jahres hatten, rundet das Bild ab. Wir arbeiten bereits mit der zweiten Auflage und haben inzwischen 652 Exemplare verkauft.

In diesem Zusammenhang danken wir dem Vorstand unserer Bürgerbewegung für die großzügige finanzielle Unterstützung des Buchprojekts, ohne die wir uns sehr schwer getan hätten, die Publikation mit vielen neuen Erkenntnissen und manchen noch nie veröffentlichen dokumentarischen Illustrationen, zu einem vernünftigen und Erfolg versprechenden Verkaufspreis anbieten zu können.

Das Buch sorgte schließlich auch dafür, dass wir und unsere Anliegen in den zurückliegenden Monaten trotz Corona öffentlich im Gespräch blieben, was sich auch bei der hervorragenden Medienresonanz erwies. Und nun hoffen wir darauf - wie Sie alle wahrscheinlich -, dass die derzeit vorherrschenden Kontakte auf Distanz nicht mehr weitgehend virtuell, sondern bald wieder bei persönlichen Begegnungen stattfinden können.

Im Übrigen ist unsere Ansbacher Mitgliederversammlung samt Neuwahlen coronabedingt heuer ausgefallen. Bis zur Neuansetzung eines Termins bleibt - so wie im Hauptverein - das Organisations- und Sprechergremium im Amt.


Menschenrechtskurier vom Juni 2020

Ausgabe 11 unseres Menschenrechtskuriers können Sie hier im PDF-Format herunterladen und lesen:

Menschenrechtskurier Nr. 11


Verkaufserfolg für das Buch "Einzelne wagten es doch"

Verkaufserfolg für das Buch "Einzelne wagten es doch", eine Dokumentation über Widerstand und widerständiges Verhalten während der NS-Zeit in Ansbach: Exakt neun Wochen nach dem Verkaufsstart waren die 500 Exemplare der ersten Auflage bei den Initiatoren des Projekts, der Regionalgruppe Ansbach der Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken, und bei einzelnen Verkaufsstellen vergriffen. Jetzt kam die zweite Auflage auf den Markt. Die reich bebilderte Publikation ist nun wieder überall im Buchhandel und per E-Mail (info@buergerbewegung-ansbach.de) zu erwerben (Preis: 12,80 €).

Ulrich Rach, der für die Bürgerbewegung als Herausgeber des Buchs fungiert, spricht von einer "phasenweise enormen Nachfrage" und einer durch und durch positiven Resonanz der Leserschaft auf die Inhalte, also die Schilderungen der schrecklichen Geschehnisse während er Nazi-Herrschaft in Ansbach und des Widerstands dagegen. Die vier Ansbacher Autoren Alexander Biernoth, Frank Faetkenheuer, Rainer Goede und Ulrich Rach hatten monatelang an dieser Dokumentation gearbeitet: recherchiert, Bildmaterial gesammelt, geschrieben und die Finanzierung gesichert.

Bestellungen für das Buch kamen nicht nur aus dem Raum Ansbach, sondern aus der gesamten Region, sehr viele aus Nürnberg und Erlangen, aber darüber hinaus aus allen Teilen Bayerns, vereinzelt sogar bundesweit, zum Beispiel aus Berlin und Leipzig. Aber auch mehrere bayerische Universitäten, vor allem Archive und Historiker, orderten die Publikation, ebenso wie Stadtbibliotheken, Schulen und Kreisjugendringe.

Etliche Leserinnen und Leser kommentierten das Buch bei Rückmeldungen - und zwar durchwegs positiv von "Prädikat besonders wertvoll - gerade in heutigen Zeiten" bis "eine geradezu vorbildliche populärwissenschaftliche Arbeit". Hier einige einzelne Stimmen:

Helmut Haberkamm, Schriftsteller, Spardorf: "Ich finde Eure Arbeit ganz großartig und bin von diesem Thema zeit meines Lebens unmittelbar berührt gewesen, weil zwei taubstumme Tanten meiner Großmutter als alte Frauen ebenfalls in der Ansbacher HuPfla eingesperrt waren und starben".

Nadja Wilhelm, Kulturreferentin der Stadt Ansbach: "Ein gelungenes Werk, für das ich den Autoren großes Lob ausspreche. Ganz besonders gelungen finde ich die Bildillustrationen und die tolle Übersichtlichkeit".

Horst Geißel, Bürgermeister, Marktredwitz: "Ein Buch, das sogar für Nicht-Ansbacher hoch interessant und lesenswert ist".

Raimund Kirch, ehemaliger Chefredakteur der "Nürnberger Zeitung": "Ein wunderbares Buch".

Dr. Eric Tillmanns, Ansbach: "Großartig und bewegend, ein solches Buch zusammenzustellen, zu schreiben und zu veröffentlichen".

Herbert Fuehr, Nürnberg, geschäftsführender Vorsitzender Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken e.V.: "Ein Buch, das rundum gelungen und sehr wichtig ist, nicht nur für Ansbach, weil über dem Gedanken an die "prominenten" Widerstandskämpfer nicht vergessen werden darf, dass auch weniger bekannte es wagten und dafür ermordet wurden. Auch auf diese Weise wird ihnen Würde zurückgegeben."

Isolde Lang, Bibliothekarin in der Stadtbücherei Dinkelsbühl: "Ich finde, dass das Buch "Einzelne wagten es doch" in jeder öffentlichen Bibliothek stehen sollte, damit die unmenschlichen Taten der Nazis im Gedächtnis bleiben".

Werner Strekies, Pfarrer i. R., Schwabach: "Ganz herzlichen Dank für die Recherchen zu diesem lange verdrängten Thema".


75. Todestag: Gedenken an Robert Limpert

Gedenken an Robert Limpert zum 75. Jahrestag seiner Ermordung am 18. April 2020 an der Gedenkstele in Ansbach. Foto: Alexander Biernoth

ANSBACH (ab) - Bewegt zeigte sich der Sprecher der Bürgerbewegung für Menschenwürde in Ansbach, Ulrich Rach, über die Resonanz zur Ehrung Robert Limperts. Aufgrund der Corona-Einschränkungen kann heuer keine zentrale Gedenkstunde am Rathaus für den Widerstandskämpfer stattfinden, der wenige Stunde vor dem Einmarsch der Amerikaner am 18. April 1945 ermordet wurde. Aus diesem Grund hatte die Bürgerbewegung zu einem dezentralen Gedenken aufgerufen, und Interessierte gebeten, im Laufe des Samstags, des 75. Todestages Limperts, Blumen am Ort der Hinrichtung am Ansbacher Rathaus niederzulegen. Zwischen 70 und 80 Ansbacher folgten dem Aufruf, so Ulrich Rach.

Es sei äußerst ungewöhnlich, so Rach, dass es gelinge, Menschen in solch stattlicher Zahl zu einem ehrenden Gedenken zu aktivieren, "bei dem sich jeder selbst einbringen, sich selbst etwas ausdenken muss und schließlich selbst etwas tut". Das gehe weit über alle Gedenkveranstaltungen hinaus, bei denen jemand spricht und die anderen andächtig zuhören. "Ich bin auch bewegt von der Tatsache, dass es in dieser Stadt so viele Frauen und Männer gibt, die das Geschehen, die Fehler der Vergangenheit nicht einfach auf sich beruhen lassen, sondern dies alles betrachten und als persönliche und politische Orientierungshilfe in der Gegenwart verankern". Das mache Mut und gebe Hoffnung und dem Opfer Robert Limperts wenigsten ein wenig Sinn, sagte Ulrich Rach.

Gedenken an Robert Limpert zum 75. Jahrestag seiner Ermordung am 18. April 2020 an der Gedenktafel im Ansbacher Rathaus Foto: Alexander Biernoth

Die Ansbacher Bürgerbewegung hatte ursprünglich eine Gedenkstunde am 22. April mit Beiträgen von Schülern des Gymnasium Carolinum sowie einer Ansprache des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick geplant. Diese musste abgesagt werden, es sei aber geplant, so Rach, im kommenden Jahr im April das Gedenken mit dem Erzbischof durchzuführen.

Weil Blumen wegen der geschlossenen Blumengeschäfte und Gärtnereien in diesen Tagen nicht uneingeschränkt gekauft werden können, hatte die Bürgerbewegung vorgeschlagen, zum Beispiel eine einzelne Frühlingsblume aus dem eigenen Garten mitzubringen. Es waren aber nicht nur einzelne Blumen niedergelegt worden, sondern auch Blumensträuße und drei Blumentöpfen abgestellt worden, so Rach. Lediglich die Stadt Ansbach hat in diesem Jahr kein Blumengebinde an der Erinnerungstafel im Rathausdurchgang anbringen lassen. Er berichtete auch, dass einige Ansbacher per Mail die Gedenkaktion gelobt haben. In einer Mail heißt es: "Wenn es nach der Politikermehrheit in der direkten Nachkriegszeit gegangen wäre, hätten wir Limpert und die anderen Regimegegner längst vergessen - Danke, dass Sie so die Erinnerung aufrecht erhalten".

Auch auf dem Grab Robert Limperts auf dem Stadtfriedhof wurden Blumen niedergelegt sowie vor der Gedenktafel in der Ludwigskirche. Ulrich Rach drückte auch noch die Hoffnung aus, dass der neu gewählte Stadtrat in der demnächst beginnenden Sitzungsperiode den elf Jahre alten Beschluss vollzieht, Ansbacher Straßen nach den Mitgliedern der Widerstandsgruppe Limpert und Friedrich von Praun zu benennen.


Eine Blume für Robert Limpert

Bürgerbewegung für Menschenwürde weist auf die Möglichkeit einer Ehrerweisung hin

Gedenktafel für Robert Limpert am Rathaustor in Ansbach. Foto: Alexander Biernoth

Die Corona-Krise beeinflusst auch das Gedenken zum 75. Jahrestag der verbrecherischen Hinrichtung des Ansbacher Widerstandskämpfers Robert Limpert (am 18. April). Die Regionalgruppe Ansbach bei der Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken hatte ursprünglich zwei Veranstaltungen zu diesem Ereignis geplant: Eine Gedenkstunde auf dem Martin-Luther-Platz, gemeinsam getragen mit der Stadt Ansbach, dem Gymnasium Carolinum und mit dem Bamberger Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick als Gastredner, sowie die Präsentation des soeben erschienenen Buchs zum Thema Widerstand in Ansbach "Einzelne wagten es doch". Beide Veranstaltungen mussten abgesagt werden.

Damit die Bürger aber Robert Limpert am Todestag oder in den Tagen danach trotz der aktuellen Einschränkungen doch noch die Ehre erweisen und ihre Abscheu vor den Verbrechen der Nationalsozialisten - gerade auch im Bezug auf Ansbach - zum Ausdruck bringen können, weist die Bürgerbewegung auf folgende Möglichkeit hin: Einzelpersonen, die sich beispielsweise zum Einkaufen, bei einer Besorgung oder beim Spaziergang ohnehin in der Innenstadt aufhalten, können und dürfen jederzeit zum ehrenden Gedenken eine Blume oder einen Blumenstrauß an der Limpert-Gedenktafel im Rathaus-Durchgang niederliegen.

Weil Blumen wegen der geschlossenen Blumengeschäfte und Gärtnereien in diesen Tagen nicht uneingeschränkt zu kaufen sind, schlägt die Bürgerbewegung vor, gegebenenfalls zum Beispiel auch eine einzelne Frühlingsblume aus dem eigenen Garten mitzubringen. Die Ehrerbietung im Rathaus sollte allerdings möglichst kurz gehalten und alle geltenden Vorschriften und Vorgaben sollten beachtet werden.

Diese Art des Gedenkens ist im Übrigen mit der Polizei-Inspektion Ansbach und dem Ordnungsamt der Stadt abgesprochen und wurde von beiden Seiten genehmigt.


"Einzelne wagten es doch"

Buchcover: Einzelne wagten es doch

Ein neues Buch über den Widerstand und widerständiges Verhalten während der NS-Zeit in Ansbach

"Einzelne wagten es doch" lautet der Titel eines Buchs, das jetzt in Ansbach publiziert wurde und das aufzeigen will, wie sich in der Zeit der Nazi-Diktatur trotz aller Repressalien und drohender Gefahren in der fränkischen Provinz Menschen wagten, Widerstand zu leisten oder sich widerständig zu verhalten.

Widerstand im "Dritten Reich" - das verbindet man zumeist wohl vor allem mit den Hitler-Attentätern wie Georg Elser und Graf Stauffenberg oder mit der "Weißen Rose", mit Berlin und München, mit den Zentren der damaligen Macht. Dass sich aber auch draußen im Land, sogar in den kleinen Städten Frauen und Männer auf unterschiedlichste Weise dem Nazi-Regime und seinen Untaten widersetzten, blieb oft weitgehend verborgen: nicht nur während der NS-Zeit, sondern bisweilen ganz gezielt und bewusst bis weit hinein in die Nachkriegsjahre. Wie in Ansbach, wo es der Kommunalpolitik gelang, die Erinnerung an die Geschehnisse, an die Verbrechen der Nationalsozialisten und an den Kampf dagegen jahrzehntelang erfolgreich zu verdrängen und zu verhindern.

Die mittelfränkische Bezirkshauptstadt war mit ihren in den dreißiger und vierziger Jahren etwa 32 000 Einwohnern eine Hochburg der Nazis. Und: Hier geschah in der Hitler-Ära Schreckliches, beispielsweise im Rahmen der Euthanasie. Mindestens 2250 Menschen, wahrscheinlich deutlich mehr, mussten ihr Leben lassen, nein, sie wurden ermordet in dieser Stadt oder von hier aus der Tötungsmaschinerie der Nazis zugeführt.

Erst in den 1970-er Jahren keimten die ersten ernsthaften Bemühungen auf, das Geschehen aufzuarbeiten. Jedoch blieb es noch bis hinein in die 1990-er Jahre dabei, dass die Nazi-Verbrechen auf der kommunalpolitischen Ebene der Stadt nur äußert widerwillig und selten thematisiert wurden, wie auch die Frage nach einer Gedenkstätte für die Menschen, die sich hier dem NS-Staat widersetzt hatten, allen voran die Widerstandsgruppe Robert Limpert. Ein solches Denkmal wurde von der Mehrheit im Stadtrat gar als "Kainsmal" abgelehnt, das sich diese Stadt nicht setzen wolle.

Inzwischen aber hat sich die Situation verändert. Und die Gedenkstätte, eine "Widerstands-Stele" direkt vor dem Ansbacher Rathaus, ist jenen mutigen Menschen gewidmet, die sich hier in unterschiedlicher Weise und an unterschiedlichen Orten widersetzten. "Wider das Vergessen", heißt es in der Inschrift.

Die Stele wurde von der Regionalgruppe Ansbach der Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken initiiert und finanziert. Vier Autoren aus derselben Gruppe (die Historiker Alexander Biernoth, Dr. Frank Fätkenheuer und Rainer Goede sowie der Journalist und Schriftseller Ulrich Rach) haben jetzt ein Buch herausgegeben, in dem sie aufzeigen, wo, wie und welchem Umfang in dieser Stadt Frauen und Männer Widerstand leisteten oder sich widerständig zeigten.

Sie berichten von Menschen, die sterben, leiden und kämpfen mussten, wie eben von Robert Limpert, den Widerstandskämpfer; vom damals in Ansbach residierenden Kirchenamtsdirektor Friedrich von Praun, der auf mysteriöse Weise im Gefängnis starb; vom polnischen Zwangsarbeiter Bornislaus Juzwik, der wie Limpert in den letzten Kriegsstunden hingerichtet wurde; von den SPD-Stadträten, die im KZ inhaftiert wurden; vom mitleidsvollen Verhalten einzelner Mitarbeiter in der Ansbacher Heil- und Pflegeanstalt gegenüber den Euthanasie-Opfern, unter ihnen viele Kinder, von der heimlichen Hilfe; von der komplizierten Situation in den Kirchen.

Natürlich sind die Schilderungen des Widerstands und des widerständigen Verhaltens stets in den Kontext gebracht mit dem Geschehen, gegen das sich einst das Tun der sich widersetzenden Bürger richtete. So ist diese reich illustrierte historische Dokumentation auch eine Sammlung der verbrecherischen und politisch irrsinnigen Taten der Nationalsozialisten mitten in einer deutschen Kleinstadt, in der unmittelbaren Nachbarschaft der Bürger. Es ist eine erschütternde Darstellung von Geschehnissen, die heimatgeschichtlich bedeutend sind, in ihrer Tiefe und Intensität aber auch über die Grenzen der betroffenen Stadt hinaus als Beispiel dienen könnte und als Mahnung: So etwas darf nie mehr geschehen!

"Einzelne wagten es doch", Alexander Biernoth, Frank Fätkenheuer, Rainer Goede, Ulrich Rach. Herausgeber: Ulrich Rach für die Regionalgruppe Ansbach der Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken e. V. ISBN 978-3-00-065092-5. 96 Seiten, vierfarbig, 12,80 Euro.

E-Mail-Bestelladresse: info@buergerbewegung-ansbach.de


Trauerkundgebung

Zwischen 400 und 500 Menschen waren am Samstag, dem 22.02.2020 auf den Martin-Luther-Platz gekommen, um ihre Trauer über den rassistisch motivierten Amoklauf in Hanau zum Ausdruck zu bringen und um ein Bekenntnis für eine pluralistische Demokratie abzulegen, wie es Ulrich Rach von der Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken sagte.

Zu der Trauerkundgebung hatten neben der Bürgerbewegung für Menschenwürde auch der Integrationsbeirat der Stadt Ansbach und der Ansbacher Jugendrat eingeladen. Gekommen waren, so schätzte es Ulrich Rach, zwischen 400 und 500 Bürger, darunter auch führende Kommunalpolitiker, wie der Ansbacher Landrat Dr. Jürgen Ludwig und Ansbachs Oberbürgermeisterin Carda Seidel, sowie Regionalbischöfin Gisela Bornowski. Rach dankte in seinem Redebeitrag allen Besuchern der Kundgebung, dass sie ihre Solidarität bekunden, für alle, "die sich im Visier rechtsextremer Kräfte befinden".

Der zahlreiche Besuch der Kundgebung drücke, so Rach, den sehnlichen Wunsch nach einem weiteren friedlichen Zusammenleben aller Menschen in der Region aus. Mit der Kundgebung wollen wir uns, so Ulrich Rach, schützend vor die Menschen mit Migrationshintergrund, "speziell unsere Mitbürger muslimischen Glaubens", stellen. Er machte die AfD, "an deren Spitze Faschisten stehen, die unser Demokratie bekämpfen", mitverantwortlich für das vergiftete politische Klima. "Diese Partei ist nicht harmlos und bürgerlich", stellte Rach klar. Mit der Kundgebung werde deutlich gemacht, dass dem Hass und der Gewalt entschlossen Frieden entgegengesetzt werde.

Ansbachs Oberbürgermeisterin Carda Seidel sagte in ihrer Ansprache, dass die große Zahl der Teilnehmer an der Trauerkundgebung sehr ermutigend sei. "Es ist ein Zeichen gegen Rassismus, gegen Hass und Gewalt". Sie rief alle Ansbacher dazu auf, gemeinsam für demokratische Werte und Toleranz in der der Gesellschaft einzutreten. "Lassen Sie uns heute ein deutliches Zeichen setzen für ein respektvolles, friedliches Miteinander in einer pluralistischen Gesellschaft", so Seidel.

Landrat Dr. Jürgen Ludwig stellte klar, dass es mit Blick auf den Anschlag in Hanau, dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und den NSU-Morden "so nicht weitergehen kann in Deutschland". Terror und Angst dürfen, so der Landrat, sich nicht erneut und weiter ausbreiten. "Jeder kann Opfer werden. Überall und jederzeit. Auch hier bei uns", so Dr. Ludwig. Die Gesellschaft und die Politik müssen, so seine Einschätzung, dem Extremismus den Boden entziehen. Er rief jeden einzelnen im Lande auf, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenzutreten.

Zora Schildbach vom Ansbacher Integrationsbeirat griff den Präsidenten des Bundeskriminalamtes an. Dessen Einschätzung bei dem Attentäter von Hanau liege eine schwere psychische Krankheit vor, sei eine Verharmlosung dieser Straftat. Auch sie griff die AfD an und sagte "Mit diesen Menschen, die so eine Tat verharmlosen, die Rassismus predigen, kann und darf man nicht reden". Sie erinnerte an eines der Hanauer Opfer, Hamza Kurtovic, dessen Familie aus Bosnien geflohen ist, um in Deutschland ein sicheres und menschenwürdiges Leben zu führen. "Unsere Trauer ist grenzenlos", so Schildbach. Vom Ansbacher Jugendrat sprachen Milan Schildbach und Assia Rizk, die den allgegenwärtigen rechten Terror in Deutschland beklagten und forderten, dass sich in Stadt und Land Ansbach alle willkommen fühlen müssen. Rizk befürchtet, dass rechtes Gedankengut auch in Ansbach wieder erwacht.

Regionalbischöfin Gisela Bornowski sagte, dass der Rechtsextremismus in Anbetracht des Leids und des Unrechts der Nationalsozialisten nur schwer zu ertragen sei. Es müssen, so ihre Forderung, alle menschenfeindlichen Einstellungen in der Gesellschaft aufgedeckt werden. "Vor dem Hintergrund der christlichen Botschaft wenden wir uns mit unserem Glauben gegen jegliche Menschenfeindlichkeit und rufen zu einem sozialen und menschlichen Miteinander auf", so Bornwoski. Musikalisch umrahmt wurde die Kundgebung von Bernd Dittl am Akkordeon.

Alexander Biernoth


Gedenk-Andacht zum Holocaust-Gedenktag

am Sonntag, den 26. Januar 2020 in der Schwanenritterkapelle Ansbach

Es darf kein Schlussstrich gezogen werden. Darin waren sich alle Redner bei der Andacht zum Holocaust-Gedenktag in der Schwanenritterkapelle einig. Über 200 Interessierte waren gekommen, um den Opfern zu gedenken, aber auch ein Zeichen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen.

Zu der Andacht unter Leitung von Pfarrerin Heike Stillerich hatten neben den Innenstadtgemeinden St. Gumbertus und St. Johannis auch die Stadt Ansbach sowie die Ansbacher Gruppe der Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken eingeladen. Bürgermeister Thomas Deffner erinnerte zu Beginn daran, dass der Holocaust nur durchführbar war, "weil viele im Getriebe der Entrechtung und der Vernichtung an den unterschiedlichsten Stellen, oftmals als ein kleines aber in der Gesamtheit maßgebliches Rädchen mitgewirkt haben". Und diese gesellschaftliche Breite der Täterschaft und des Komplizentums führe dazu, so Deffner, "dass wir mit einer großen historischen Schuld beladen sind. Und damit können und dürfen wir keinen Schlussstrich ziehen". Auch heute, so der Bürgermeister, erfahren Juden in Deutschland Anfeindungen, werden bedroht und angegriffen "mit dem schrecklichen Verbrachen von Halle als Höhepunkt einer furchtbaren Entwicklung". Mit der großen Beteiligung werde, so Thomas Deffner, ein Zeichen gesetzt, dass "Hass, Antisemitismus und Rassismus in Ansbach keinen Platz haben".

Auch Ulrich Rach, der Sprecher der Ansbacher Gruppe der Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken, zeigte sich bewegt von der großen Besucherzahl und bezeichnete als "wertvolles Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Mitbürgern", von denen auch zwei zu der Andacht gekommen waren. "Ein Zeichen, das nun innerhalb weniger Monate zum zweiten Mal gesetzt wurde", so Rach. Die Bürgerbewegung werde, so kündigte er an, demnächst ein Buch über Widerstand und widerständiges Verhalten in Ansbach veröffentlichen. Darin werde aufgezeigt, dass in Ansbach eine Art Probelauf des Holocaust mit der Euthanasie in der Heil- und Pflegeanstalt durchgeführt wurde, bei der über 2250 Menschen ermordet wurden. Hier vor Ort wurde gezeigt, "dass es gar nicht so schwer ist, Menschen zum vielfache und wiederholten Töten zu bringen".

So müssten wir heute aus lokaler Sicht betroffen feststellen, dass der Holocaust, das wahrscheinlich größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte, eben auch in Ansbach vorbereitet worden sei, im Prinzip hier begonnen habe: mit mehr als 2000 ermordeten Patienten, geistig und körperlich behinderten Menschen, in einem Krankenhaus dieser Stadt. "Dadurch entstanden hierorts Wunden, die immer bleiben werden", so Ulrich Rach weiter, "über die sicher auch noch viele Generationen später gesprochen werden wird und die hoffentlich als stete Mahnung dienen".

Die Schülerinnen Vanessa Deininger, Annika Knörr und Evelyn Scherbach lasen Texte von Siegfried Lenz, Rita Süßmuth und dem Holocaust-Überlebenden Noach Flug. Pfarrerin Heike Stillerich betonte in ihrer Ansprache, dass das Gedenken nicht im Erinnern stehen bleiben dürfe, sondern auch wachrütteln müsse, hinzuschauen, was heute passiert und wachsam zu sein gegenüber jeder Form des Antisemitismus und der Ausgrenzung anderer Menschen. Mit klarem Kopf, so die Geistliche, müsse jeder "böse Geister in unterschiedlichen Gebärden" versuchen zu erkennen. Die Geschichte müsse an die nächste Generation weitergegeben werden und das Erinnern dürfe niemals aufhören, so Stillerich. Mehr für Menschlichkeit einzutreten und Andere in ihrem Anderssein annehmen, sei die zentrale Lehre aus der Vergangenheit. Musikalisch wurde die Andacht von Schülern und Lehrern des Theresien-Gymnaisum Ansbach gestaltet.

Alexander Biernoth

Über 200 Besucher waren in die Schwanenritterkapelle gekommen, um am Vorabend des Holocaust-Gedenktages der Gräueltaten der Nationalsozialisten zu gedenken. Foto: Alexander Biernoth